
Einweihung 1848, paritätische Nutzung bis 1969
«Der Neubau der spätklassizistischen Kirche nach Plänen von Felix Wilhelm Kubly wurde 1848 vollendet.» So steht es im Historischen Lexikon der Schweiz. Damals wurde die heutige reformierte Kirche als paritätisch genutztes Gebäude «in Betrieb» genommen. An Auffahrt 1848 weihten die beiden Konfessionen mit ihren Würdeträgern die Kirche getrennt ein. Nicht konfirmierte Jugendliche und Kinder durften aus Platzgründen nicht teilnehmen, erst am Sonntag nach Auffahrt feierten sie.
Die gemeinsame Nutzung dauerte bis 1969, dann zogen die Katholiken aus und bezogen in den Hochkonjunkturzeiten einen Neubau.
Einer der bedeutendsten Architekten des 19. Jahrhunderts
Felix Wilhelm Kubly war schweizweit eine der bedeutendsten Architekten. Zu seinen Bauten gehören auch die Kantonsschule in der Stadt St.Gallen oder die reformierte Kirche Heiden. Der klassizistische Stil macht einen Rückgriff auf die griechisch-römische Antike, was etwa an den tempelhaften Säulen der Wattwiler Kirche sichtbar ist.
Querkirche, Turm mit separatem Zugang
Kubly hat den reformierten Typus der Querkirche mit einem rechteckigen katholischen Chor verbunden. Der zweigeschossige, massive Baukörper unter einem Walmdach mit 40 Metern Länge und knapp 19 Metern Breite bildet das Schiff der Kirche. Der im Osten der Kirche angebaute Turm hat einen separaten Zugang und ein flaches Pyramidendach.

Hohe Bedeutung für das Ortsbild
Die stattliche Kublykirche steht an zentraler Lage von Wattwil, zusammen mit dem Friedhof auf einem erhöhten Plateau mit Baumgruppe, parallel zur Wilerstrasse. Für das Ortsbild ist sie von hoher Bedeutung und ein Herzstück Wattwils. Sie steht unter Denkmalschutz als Einzelobjekt von kantonaler Bedeutung. Der Ort hat mit der ersten Erwähnung im 9. Jahrhundert eine lange Tradition der religiösen Nutzung. Vor der Kublykirche stand ebenfalls eine Kirche hier.
Für das Gemeindeleben umfunktioniert
Beim Umbau zur reformierten Kirche im Jahr 1970 ging im Innenraum ein Teil des architektonischen Konzepts verloren. So kann man von Norden und Süden nicht mehr direkt in den Kirchenraum. Die bauliche Veränderung diente, beispielsweise mit dem Einbau eines Sälis, den veränderten Bedürfnissen des Gemeindelebens. Heute steht die Kirchgemeinde wiederum vor der Herausforderung, die passenden Räumlichkeiten für das Kirchenleben zu finden.
