Bereits seit Februar hat Pfarrerin Trix Gretler eine zweite Stelle: Bei der kantonalkirchlichen Meldestelle für Persönlichkeitsschutz. Darum ist sie im Mittleren Toggenburg ab August zu 70 Prozent angestellt.
«Sie sind von Gewalt betroffen, oder haben davon erfahren? Wir beraten und unterstützen Sie.» Das steht auf der Homepage auf der Kantonalkirche unter der Rubrik «Persönlichkeitsschutz». Darunter findet man das Bild der Pfarrpersonen Trix Gretler und Klaus Fischer.
Sie teilen sich zu je 15 Prozent die Aufgabe der kantonalkirchlichen Meldestelle für Persönlichkeitsschutz in der Kirche. Gesetzliche Grundlage dafür ist ein «Rahmenpräventionskonzept», das seit September 2025 in Kraft ist. Das Thema ist sensibel: Es geht um psychische, physische, sexualisierte, soziale und spirituelle Gewalt. Wenn so etwas passiert, ist häufig ein Machtgefälle der Ausgangspunkt. Und ein solches kommt in der Kirche an verschiedensten Orten vor: Im Umgang von Angestellten mit Kindern und Jugendlichen, in der Seelsorge, mit freiwillig Mitarbeitenden. Institutionen wie die Kirche sind verpflichtet, mit einem Konzept für den Schutz der persönlichen Integrität von Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen und Teilnehmern an Angeboten zu sorgen. Oder wie es Trix Gretler sagt: «Mit der neu geschaffenen kirchlichen Meldestelle erhalten Betroffene und Ratsuchende Unterstützung. Zudem werden damit Prävention und Schutz strukturen innerhalb der Kirche gestärkt.»

Schulung von 900 Personen
Mit einer Meldestelle allein ist das aber nicht getan, wie es im Konzept heisst: «Für den Schutz der persönlichen Integrität braucht es die Mitwirkung der Menschen auf allen Ebenen der Kantonalkirche und der Kirchgemeinden.» Dafür ist eine Schulung der rund 900 Mitarbeitenden und Behördenmitgliedern geplant, welche diesen Herbst beginnt. Die Kantonalkirche hat zu diesem Zweck ein «Fünf-Finger-Modell» entwickelt, mit denen jede Person Risikosituationen einfach erkennen kann. Dazu gehört als erstes die inschätzung des Machtgefälles, aber beispielsweise auch der Zeitpunkt und den Ort eines Treffens.
Was motiviert Trix Gretler für diese Stelle? «Der Aufbau der Meldestelle, die Sensibilisierung und Prävention sind interessante Aufgaben und die Mitgestaltung eine Herausforderung, der ich mich gerne stelle», sagt die 57jährige Pfarrerin. Sie kann dabei Berufserfahrung aus verschiedenen Tätigkeiten einbringen: Wissen aus dem rechtlichen Bereich, Vernetzung, Know-how aus dem Pfarramt. Und es geht ihr um Fürsorglichkeit: «Besonders wichtig ist mir, dass Menschen und insbesondere Kinder in der St. Galler Kirche sicher sind und sie vor Grenzverletzungen geschützt sind.»
Reduktion im Mittleren Toggenburg
Das bedeutet aber auch, dass Trix Gretler ihre Stelle im Mittleren Toggenburg reduziert. Die Kirchenvorsteherschaft hat einen entsprechen den Antrag der Verringerung der Anstellung von 85 auf 70 Prozent gutgeheissen. Die wegfallenden Aufgaben übernimmt zum grössten Teil das angestellte Personal. Für die Feierabend Gottesdienste ist neu Pfarrer Hans Jörg Fehle zuständig. Trix Gretler wird aber weiterhin wesentlicher Teil des «Gesichtes» der Kirchgemeinde sein. «Ich bin den Kolleginnen und Kollegen aus dem Konvent und der Kirchenvorsteherschaft dankbar, dass diese Lösung möglich ist», sagt sie.
Daniel Klingenberg
