Bereits zum siebten Mal hat das Krinauer Weihnachtsspiel stattgefunden. Geleitet wird es von Anna-Barbara Wickli. Ihre Erfahrungen hat sie in einer Masterarbeit für Heilpädagogik ausgewertet.
Innerhalb von rund einem Monat entsteht in Krinau jeweils ein Weihnachts-spiel unter der Leitung der theatererfahrenen Lehrerin Anna-Barbara Wickli. Zum Mitmachen eingeladen sind die Schülerinnen und Schüler des Schul-hauses Krinau: Kinder bis zur vierten Primarklasse, angefangen beim Kindergarten. Regelmässig kommt es aber vor, dass auch etwas ältere «Ehemalige» mitspielen möchten und Anna-Barbara Wickli eine passende Rolle für sie findet. Oder «Ehemalige» schreiben die Musik, machen die Lichtregie oder Schauspieltraining. Damit wird spürbar: Das Mitmachen beim Krinauer Weihnachtsspiel ist so etwas wie die Zugehörigkeit zu einer Weihnachtstheaterfamilie.

Soziales Lernen mit Theaterpädagogik
Offensichtlich ist es für die Kinder interessant zum Dabeisein. Aber was ist genau interessant? Das hat Anna-Barbara Wickli nun in einer Masterarbeit für Heilpädagogik ausgewertet. «In theaterpädagogischer Arbeit werden Lerneffekte im Rahmen des ästhetischen Lernens sichtbar. Auf persönlicher und sozialer Ebene sind Fortschritte erkennbar, gibt sich die Fachwelt überzeugt», schreibt sie einleitend.
Wie sieht das aus Kindersicht aus? Das ist die Frage, die sie sich stellt. Dazu hat Anna-Barbara Wickli, die auch an der Pädagogischen Hochschule Zürich unterrichtet, mit den Kindern qualitative Interviews gemacht und ausgewertet. Diese bestätigen die Vermutung: «Kinder erkennen verschie-dene Lerneffekte in der theaterpädagogischen Arbeit, so bei der Koope-ration, der Kreativität, bei Mitbestimmungsmöglichkeiten, beim Selbstwert und dem Selbstvertrauen, bei der Selbstwahrnehmung, der Empathie, beim Dranbleiben und Üben wie auch in einzelnen Kultur- und Theatertech-niken», schreibt sie als Bilanz. Oder, wie ein Kind auf die Frage, warum man Theaterspielen soll, antwortet: «Da lernt man sich selbst besser kennen.»
Rollen auf Kinder zugeschnitten
In der Praxis läuft das weniger abstrakt ab. An einem Mittwochnachmittag Anfang November ist der Kick-Off zum Weihnachtsspiel. Mit Musik zur Bewegung, Anschauen des letztjährigen Stücks, und einer ersten Einschätzung: Wer könnte in diesem Jahr welche Rolle übernehmen? In den folgenden Wochen entwickelt sich eine auf die aktuelle Gruppe zugeschnittenes Spiel. Theaterpädagogik ist individualisierter Unterricht, in dem Kinder an die Entwicklung angepasste Rollen bekommen. Das ist aufwendig und beglückend zugleich. Dann nämlich, wenn die kleinen Schauspielerinnen und Schauspieler in ihrer Rolle aufgehen und spätestens beim Schlussapplaus strahlen.
Daniel Klingenberg
